36 Jahre nach Messerangriff: Polizei rollt Cold Case um Ewa M. neu auf

Foto: Polizei MG

Tönisvorst/Vorst – Ein Messerangriff, der sich vor 36 Jahren auf dem Weg zwischen St. Tönis und Vorst ereignete, beschäftigt die Ermittler erneut. Ewa M. war damals gerade 18 Jahre alt, als ein Unbekannter sie auf offener Strecke überfiel und mehrfach auf sie einstach. Sie überlebte nur knapp. Der Täter wurde nie gefasst.

Jetzt nimmt die Polizei Mönchengladbach den Fall als Cold Case erneut in den Blick. Moderne kriminaltechnische Möglichkeiten sowie die Neubewertung alter Spuren und Erkenntnisse könnten neue Ansatzpunkte liefern.

Auf dem Heimweg von einer Feier

Am Sonntag, 12. August 1990, war Ewa M. gegen 20 Uhr zu Fuß von Krefeld in Richtung Vorst unterwegs. Zwischen St. Tönis und Vorst nutzte sie den kombinierten Geh- und Radweg entlang der L 475.

Gegen 21.40 Uhr traf die damals 18-Jährige an einer Bushaltestelle in Höhe der Abzweigung nach Kehn auf eine Freundin. Die beiden unterhielten sich einige Minuten, bevor sie ihren Weg in unterschiedliche Richtungen fortsetzten.

Nur wenige Minuten später wurde Ewa M. angegriffen. Rund 50 Meter vor dem Ortseingangsschild „Vorst“ griff der Unbekannte die junge Frau unvermittelt an, zog sie in einen Graben und drohte ihr mit einer Vergewaltigung.

Dann stach er mehrfach auf sie ein.

Erst als Ewa M. regungslos liegen blieb, ließ der Täter von ihr ab und flüchtete. Die Ermittler gehen davon aus, dass er zu diesem Zeitpunkt glaubte, sein Opfer tödlich verletzt zu haben.

Doch Ewa M. überlebte.

Schwer verletzt kämpfte sie um ihr Leben

Trotz ihrer lebensgefährlichen Verletzungen schaffte es die junge Frau zurück in Richtung Landstraße. Gegen 22.10 Uhr entdeckte sie ein Fahrradfahrer auf dem Grünstreifen zwischen Radweg und Fahrbahn.

Rettungskräfte brachten Ewa M. in ein Krankenhaus nach Kempen. Eine sofortige Notoperation rettete ihr das Leben.

Die Folgen des Angriffs begleiten sie bis heute. Ewa M. ist inzwischen 54 Jahre alt – doch die Fragen sind geblieben: Wer hat sie angegriffen? Warum wurde sie zum Opfer? Und war sie möglicherweise nicht die einzige Frau, die der Täter angegriffen hat?

Polizei sucht Zeugen nach 36 Jahren

Der Täter wurde damals als eher unauffälliger Mann beschrieben, der etwas größer als Ewa M. gewesen sein soll. Er sprach akzentfreies Deutsch.

Aufgrund der zahlreichen Stichverletzungen gehen die Ermittler davon aus, dass seine Kleidung nach der Tat möglicherweise mit Blut verunreinigt war. Auch eine Verletzung des Täters selbst können sie nicht ausschließen – insbesondere an den Händen durch die verwendete Klinge.

Besonders interessant ist für die Ermittler ein Detail vom Tatort: In unmittelbarer Nähe zweigte damals ein Feldweg in Richtung Kehn ab. Dort stand ein geparktes Auto.

Bis heute ist unklar, wem dieses Fahrzeug gehörte.

War es das Auto des Täters? Oder gehörte es einem wichtigen Zeugen? Die Polizei sucht deshalb auch Menschen, die sich an dieses Fahrzeug erinnern können.

Gesucht werden außerdem Personen, die am Abend des 12. August 1990 auf der L 475 unterwegs waren und bislang nicht mit der Polizei gesprochen haben. Auch Zeugen, die ihre damaligen Angaben ergänzen können oder denen sich der Täter im Laufe der Jahre anvertraut beziehungsweise Andeutungen gemacht hat, werden gebeten, sich zu melden.

Ebenso richtet sich der Zeugenaufruf an Frauen, die damals in diesem Bereich unterwegs waren und möglicherweise eigene Beobachtungen oder Erlebnisse gemacht haben, die mit dem Angriff in Verbindung stehen könnten.

Auch Hinweise, die heute zunächst unbedeutend erscheinen, können nach 36 Jahren für die Ermittlungen entscheidend sein.

Hinweise nimmt die Polizei unter 02161-290 oder per E-Mail an mk.vorst.Moenchengladbach@polizei.nrw.de entgegen. In Einzelfällen kann die Vertraulichkeit der Hinweise geprüft werden.

Der Fall ist Teil der Kampagne „Mord verjährt nicht. Der Niederrhein erinnert sich.“ Die Polizei Mönchengladbach arbeitet dabei mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, der Staatsanwaltschaft Krefeld sowie den Polizeibehörden in Krefeld und im Kreis Viersen zusammen.